Goldmedaille oder Gummibärchen
Ohje, ich weiß nicht wie oft ich bereits die ewigen Diskussionen auf Vereins-, Verbandsebene und Bundesebene mit erlebt habe, zwischen einer Ausrichtung auf den Leistungssport oder auf den Breitensport. Häufig kommt es dann irgendwann zu den Versöhnungsargumenten: "Wenn mehr Judomedaillen gewonnen werden, kommen auch mehr zum Judo." oder anders herum "Wenn wir mehr Leute zum Judo bringen, werden wir auch mehr Medaillen gewinnen". Glücklicherweise hat es jetzt ein Kollege aus Großbritannien Lance Wicks mal auf den Punkt gebracht. Partizipation und Performance sind nicht einhergehende Ziele. Das heißt übersetzt, mehr Breitensportler führen nicht zu mehr Medaillen bei Olympia. Ich behaupte auch der umgekehrte Ansatz, mehr Medaillen bei Olympia führen längst nicht mehr zu mehr Beteiligung am Judo. Vielleicht war dieser Effekt früher einmal da, aber längst sind die potenziellen Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche so vielfältig und cooler als sich in so einem Schlafanzug zu raufen. Da gehe ich lieber zu Wing-Tsu oder Ha-tschi als zum Judo.
Naja vielleicht zieht man am Ende wenn man bei dieser Erkenntnis angelangt ist auch die richtigen Schlüsse.
1. Breitensport bieten wir nicht an um mehr Medaillen bei Olympia zu gewinnen, sondern um einer gesellschaftliche Aufgabe (sportliche Ertüchtigung) nachzukommen und unsere Leidenschaft an nachfolgende Generationen weiterzugeben.
2. Leistungssport benötigt spezielle Strukturen und ein frühes professionelles Förderprogramm um Medaillen bei Olympia zu holen und so Fördermittel vom Staat einzusacken.
Also mein Vorschlag, trennt die beiden Sachverhalte und versucht nicht irgendwelche Zusammenhänge zu dichten, wo keine sind. Für mich als Judotrainer im Verein schlussfolgere ich, entweder Leistungssport dann aber richtig anbieten oder Breitensport (durchaus mit Wettkampf) Judo betreiben und Leistungssträger frühzeitig weiter reichen an Vereine die es richtig betreiben.
Grüße nach Großbritannien, dort scheint es nicht besser zu sein als bei uns.